Entstehung der Sportart Judo:
Judo ist eine japanische Kampfsportart, die von dem Japaner Jigoro Kano begründet wurde. Aus dem alten Selbstverteidigungssystem Jiujitsu entwickelte Kano das moderne Judo indem er alle gefährlichen Techniken wie Schläge und Tritte wegließ und zusätzlich größten Wert auf die (moralische und geistige) Erziehung der Sportler legte. (Was das bedeutet erkläre ich euch später noch ausführlich.)Das Wort Judo setzt sich aus dem japanischen Ju = Sanftheit und Do = Weg zusammen. Judo ist also der Weg der Sanftheit und des Nachgebens.
Der historische (geschichtliche) Weg des Judo:
Nachdem Judo in Japan offiziell von Jigoro Kano im Jahre 1882 eingeführt worden war, galt die Sportart in anderen Ländern nur als traditionelle japanische Männergymnastik. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden alle Kampfsportarten in Japan von den Amerikanern verboten. Amerika hatte den Krieg gewonnen und wollte Japan entmilitarisieren. Vielleicht war es gerade das Verbot, das dazu beflügelte an der Form des Judo weiter zu arbeiten. Nachdem Judo für die neu gegründete japanische Polizei wieder zugelassen wurde entdeckten die US-Besatzungstruppen (=Amerikaner) den Sanften Weg für sich. Damit begann in den 50er Jahren der Siegeszug von Judo um die ganze Welt. Bei den olympischen Spielen 1964 in Tokio war Judo das erste Mal als offizielle Disziplin zugelassen.Das Judotraining
Judo treiben kann jeder, egal ob man groß ist oder klein, leicht oder schwer, jung oder alt.Man braucht nur einen Judogi (=Judoanzug) und den Obi (=Gürtel). Beim Judo ist man barfuß.
Die erste Judotechnik die man lernen muss ist die Fallschule, sonst wäre die Verletzungs- gefahr bei der nächsten Technik, der Wurftechnik, zu groß.
Also lernt man zuerst nach hinten, vorne und zur Seite richtig zu fallen, ohne sich weh zu tun.
Bei den Wurftechniken gibt es natürlich nicht nur eine Technik, sondern ungefähr 200. Natürlich lernt man die nicht alle auf einmal. Die Würfe haben alle japanische Namen, die ziemlich genau erklären, um was für eine Technik es geht.
Zum Beispiel bedeutet der Wurfname O goshi großer Hüftwurf, O soto gari große Außensichel (Sichelförmige Bewegung des Beins), Ko soto gari = kleine Außensichel und O uchi gari = große Innensichel.
Ich würde euch jetzt natürlich gerne einige Wurftechniken vorführen, aber dazu bräuchte ich Matten, hier im Klassenzimmer will bestimmt niemand geworfen werden.
Nach der Wurftechnik befinden wir uns also auf der Matte liegend, zumindest der, der ge- worfen hat (den nennt man Tori) und dort geht es gleich weiter mit den Bodentechniken, den Haltegriffen und den Befreiungstechniken. Möchte sich jemand von mir hier mit einem Haltegriff halten lassen? Dann zeige ich euch den Kesa Gatame.
Die Haltegriffe haben natürlich auch japanische Namen: Yoko Shio Gatame. Tate Shio Gatame oder Kami Shio Gatame.
Es gibt noch Würge- und Hebeltechniken, aber die sind erst ab einem Alter von 13 Jahren im Wettkampf erlaubt.
Kata, Randori und Shiai:
Die Techniken, die wir beim Judo brauchen, lernen wir immer gemeinsam mit einem Partner. Dabei muss sich der Partner immer so verhalten, dass der andere die Technik auch üben kann. Das Üben einer, oder mehrerer Techniken hintereinander mit einem Partner, der sich verabredungsgemäß verhält (also Uke verhält sich so, wie es Tori passt) nennt man Kata.Randori nennt man das freie Üben. Randori ist also ein Übungskampf ohne den vollen Körpereinsatz, kein Kampf auf Biegen und Brechen. Man kämpft nicht verbissen um jeden Punkt. Denn Sinn des Randori hat man erfasst, wenn man sich daräber, dass man vorbildlich geworfen wurde und eine gute Fallschule ausfähren konnte genauso freuen kann, wie über einen gelungenen eigenen Wurf.
Shiai bedeutet Wettkampf. Anders als im Randori, wo Sieg und Niederlage überhaupt keine Rolle spielen, wird im Shiai durch einen Punkt, durch eine gelungene Technik ein Sieger festgestellt. Im Wettkampf ist die Gelegenheit, den einmaligen Einsatz aller Kräfte zu üben.
Beim Wettkampf gibt es einen Kampfrichter, der aber keine Pfeife hat, wie der Schieds- richter beim Fußball, sondern Handzeichen gibt und zusätzlich japanisch spricht: Hajime= los geht's! Beide Kämpfer versuchen dann, den richtigen Griff zu finden, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und mit einer guten Technik zu Fall zu bringen und gegebenenfalls am Boden festzuhalten, oder den Gegner mit Würge- oder Hebeltechnik zur Aufgabe (Abklopfen) zu zwingen. Gelingt das perfekt, dann reißt der Kampfrichter seinen Arm hoch und ruft Ippon (ein Punkt), Sore Made und der Kampf ist aus.
Gelingt eine solche Aktion nicht so vortrefflich, aber doch ganz ordentlich, dann gibt der Kampfrichter ein Waza-ari (halber Punkt), dann geht es im Bodenkampf weiter. Nach 25 Sekunden Haltegriff gibt es wieder ein Waza-ari, was zusammen gezählt auch Ippon ergibt. Da der Gegner aber auch Judo kann und sich mehr oder weniger geschickt verteidigt, gelingt nicht immer alles so vortrefflich. So landet der Geworfene manchmal nur auf dem Bauch, den Knien oder dem Hinterteil. Dafür gibt es dann entweder überhaupt keine Wertung oder eine kleine Wertung, Koka oder eine mittlere Wertung, Yuko.
Die Wertungen werden auf Tafeln am Zeitnehmertisch angezeigt. Die Kampfzeit beträgt bei Kindern 3 Minuten, bei jeder Unterbrechung durch den Kampfrichter (der ruft dass Mate, das heißt warten) wird die Uhr angehaltnen. Bestrafungen sind immer eine üble Sache, am schlimmsten für den Betroffenen. Unfaire ode gefährliche Handlung führt zur Dis- qualifizierung (Hansokumake), das kommt aber nur selten vor.
Früher gab es mehrere verschiedene Strafen. Heute gibt es nur noch Shido - z.B. bei Inaktivität oder bewußtem Heraustreten aus der Kampffläche. Ein Shido bedeutet, dass der Gegner ein Yuko gutgeschrieben bekommt.